UKSH FORUM Januar 2026 interaktiv!
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Prof. Dr. Karl-Ludwig Bruchhage, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie
Das ganze robotergestützte Assistenz system, verbunden mit dem OP-Tisch
Um ein Cochlea-Implantat einzusetzen, ist ein mikro chirurgischer Eingriff notwendig, bei dem eine feine Elektrode ins Innenohr eingeführt und in der Hörschne cke (Cochlea) platziert wird. Bei dem neuen Verfahren wurde die Elektrode mithilfe der robotergestützten Assistenzsysteme vom Typ „Otoarm“ und „Otodrive“ der Firma MED-EL eingesetzt. Die vom Operateur gesteu erten Assistenzsysteme ermöglichen es, die Elektrode noch präziser bei gleichbleibender, sehr langsamer Geschwindigkeit in die Cochlea zu führen und das empfindliche Gewebe vor Verletzungen zu schützen. „Dies ist ein enormer Fortschritt für alle Patientinnen und Patienten“, sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Karl-Ludwig Bruchhage.„Durch diese OP-Methode wird das vorhan dene Gehör optimal geschont und es kann eine bessere Hörfähigkeit erreicht werden.“ Die ersten Eingriffe mit dem neuen OP-Assistenzsystem wurden bei einem 74-jährigen Patienten und einer 32-jährigen Patientin durchgeführt, die den jeweils rund 70-minütigen Eingriff gut überstanden haben. Sie wurden in der Tagesklinik der HNO-Klinik weiter betreut. Im Rahmen der ambulanten Rehabilitation wurde circa vier Wochen nach der OP das Cochlea-Implantat aktiviert und individuell angepasst. Dann begann ein intensives Hörtraining, um die Hörfähigkeit zurückzuerlangen.
Inzwischen wurden bisher mehr als 15 Patientinnen und Patienten mit der neuen Methode, die nun als Standard operation übernommen wurde, erfolgreich operiert. Cochlea-Implantat-Systeme funktionieren anders als Hörgeräte. Sie verstärken nicht einfach Töne, sondern übersetzen Schallwellen in elektrische Impulse und leiten sie direkt an den Hörnerv weiter, der sie wiederum als Töne erkennt. Die Patientinnen und Patienten tragen dafür äußerlich hinter dem Ohr einen Audioprozessor. Dieser ist per Magnet mit dem Implantat unter der Haut verbunden. Von dort führt eine Elektrode, also ein sehr feines Kabel, bis ins Innenohr. Die HNO-Klinik am Campus Lübeck ist seit Jahrzehnten auf die Hörrehabilitation für schwerhörige und ertaubte Menschen spezialisiert. Seit 2024 ist die Klinik als Coch lea-Implantat-versorgende Einrichtungen (CIVE) von der Deutschen Gesellschaft für HNO zertifiziert. Sie bietet eine Hör- und Implantat-Sprechstunde an, in der die Patientin nen und Patienten zunächst eine individuelle Hörberatung und Diagnostik erhalten. Das breite Therapiespektrum der Hörrehabilitation umfasst die Versorgung mit Hörgeräten und die medikamentöse Behandlung – zum Beispiel bei Hörsturz und chronischen Mittelohrentzündungen–bis hin zu hörverbessernden Ohroperationen und Hör-Implantaten.
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FORUM 2026 / 1
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